Du erkennst dein Kind nicht wieder: immer öfter hat es Wutanfälle, schlägt, beißt und schubst andere. Oje, was läuft da bloß schief, fragst du dich. Keine Angst, meistens ist Aggressivität bei Kindern nur eine Phase. Wie du am besten damit umgehst – ein kleiner Crashkurs.

Wenn aus deinem ausgeglichenen Baby ein Kleinkind wird, musst du dich auf einiges gefasst machen. Eben noch verschmust und kuschelig, wird aus deinem süßen Engel plötzlich ein wütendes Monster, das aus Leibeskräften „Nein, ich will nicht!“ brüllt und dich vors Schienbein tritt, beißt oder haut. Und dann noch nicht mal Reue zeigt. Woher kommt bloß diese ungezügelte Wut?

Sie kommen in den friedlichsten Familien vor: Kinder, die ihren Zorn mit Füßen, Fäusten oder Zähnen äußern. Ein häufiger Grund: Sie werden von ihren Gefühlen überwältigt, können sich aber sprachlich noch nicht ausdrücken. Das frustriert! Mit 12 bis 18 Monaten hat ein Kind nämlich aber schon sehr genaue Vorstellungen und Ansichten und will sich mitteilen. Wenn das mit Worten nicht geht, dann eben auf andere Art und Weise!

Manche wollen auch die Aufmerksamkeit auf sich lenken, oder finden es einfach aufregend, sich gelegentlich mit einem ordentlichen Wutanfall in Szene zu setzen.

Vergiss nicht, dass es ein normaler Entwicklungsschritt ist, wenn Kleinkinder schlagen, treten und beißen. Aggressionen sind natürlich und sollten nicht mit dem Hinweis “das tut man nicht” unterdrückt werden. Genauso wichtig ist aber, dass wir Eltern sie konsequent lehren, wie man damit umgeht.

Was du tun kannst, wenn dein Kind aggressiv wird

Cool bleiben.  Auch wenn es schwerfällt: versuche nicht überzureagieren, wenn dein Kind (auch dir gegenüber) handgreiflich wird. Wenn du sehr betroffen reagierst und das Ganze dramatisierst, wird auch beim nächsten Mal wieder auf „Mama hauen“ gesetzt, als super Strategie, um viel Aufmerksamkeit zu bekommen. Kleinkinder finden es nun mal spannend und ungemein unterhaltsam, wenn Erwachsene die Fassung verlieren.

Ruhig und bestimmt reagieren. Am besten ist es, einfach ruhig zu sagen „Wir hauen uns nicht, wir tun anderen nicht weh“. Danach lenkst du dein Kind mit etwas anderem ab oder gehst mit ihm woandershin. Es auf sein Zimmer zu schicken kannst du dir sparen, das versteht es in dem Alter noch nicht. Aber eine ruhige Reaktion von dir wirkt Wunder und macht viel mehr Eindruck, als wenn du auch noch brüllst. Wiederhole das sooft wie nötig, denn es wird eine Weile dauern, bis es die Lektion gelernt hat.

Die berühmte “stille Treppe”weglassen.

Kleine Kinder können sich nicht selbst beruhigen. Sie brauchen uns, um den Wutanfall zu beenden. Helfen wir nicht, beenden sie ihn meist nur aus Erschöpfung. Wenn du dein Kleinkind mit der stillen Treppe bestrafst, versteht es den Zusammenhang nicht – im Gegenteil, es wird seine Gefühle verstecken, anstatt die Ursachen in den Griff zu bekommen. Bedenke, dass dein Kind nicht absichtlich böse ist. Es kann seine Gefühle nicht kontrollieren. Zeige ihm mit Liebe und Geduld, dass du es lieb hast. Wenn dein Partner da ist, bitte ihn zu übernehmen, bevor du selbst an die Decke gehst. Du bist schließlich der vernünftige Erwachsene.

Wenn sich dein Kind beruhigt hat, sprich später noch einmal mit ihm – das geht so ab zwei Jahren. So kannst du dein Verhalten noch einmal erklären. Es versteht vielleicht noch nicht alles, aber immer mehr.


Dein Kind beim Spielen beobachten.

Achte darauf, ob sich Aggression schon beim Spielen einschleicht. Wenn deine Tochter beispielsweise eine ihrer Puppen eine andere schlagen lässt, ist sie eventuell nicht mehr weit davon entfernt, auf dem Spielplatz genauso zu handeln. In solchen Fällen solltest du eingreifen und sagen: “Warum haut Jojo denn die Lilli? Die beiden sollten lieber miteinander reden!”

Die Auslöser deines Kindes kennen. Manche Kinder rasten aus, wenn sie müde oder hungrig sind. Andere zeigen aggressives Verhalten, wenn sie überreizt sind und nicht wissen, wohin mit ihrer Energie. Wieder andere können sich nur schwer auf neue Situationen einstellen – Dinge wie ein Umzug, der Wechsel in die Krippe oder von dieser in den Kindergarten können sie komplett destabilisieren. Auch ein Geschwisterchen ist eine häufige Ursache.

Alle diese Gründe zeigen einen Mangel an Verbundenheit zu den Eltern und Angst vor dem Neuen. Hier hilft es, im Alltag viele gewohnte Rituale einzubauen, die dem Kind den mangelnden Halt geben. Viel Aufmerksamkeit und aktive Spielzeit mit deinem Kind helfen ebenfalls. Wenn sie wissen, Mama und Papa sind da, sind die neuen Situationen einfacher zu meistern.

Ein weiterer Grund kann mangelnde Aufmerksamkeit von dir sein. Selbst wenn du denkst, du gibst genug, kann es sich für das Kind anders anfühlen. Eine Freundin hat mir mal erzählt, dass der Sohn ihrer Bekannten total ausgerastet ist. Er hatte zuvor immer wieder Kontakt zu den Erwachsenen gesucht, aber keiner hatte ihm zuhören wollen.

Bitte beachte auch, dass Dinge, die uns Eltern banal erscheinen, von großer Bedeutung für die Kleinen sein können. Für meine Tochter ist es ganz wichtig, dass der Teller zur Gabelfarbe passt. Das mag für uns lächerlich klingen, ist für sie aber so wichtig wie für uns, die Steuererklärung rechtzeitig abzugeben.

Achte darauf, welche speziellen Auslöser es bei deinem Kind sind, und stelle dich darauf ein. Am besten ist es natürlich, die jeweilige Situation ganz zu vermeiden. Falls das nicht geht, stehe deinem Kind so gut wie möglich bei. Nimm es in den Arm und halte es fest, Körperkontakt wirkt oft Wunder. Unter Umständen kannst du dann einen Wutanfall abwenden, bevor er richtig losgeht.

Wenn die Kinder Konkurrenz bekommen

Ein klassischer Grund ist die Geburt eines Geschwisterchens. Selbst wenn das “Einzelkind” zuvor nicht eifersüchtig erschien, brav Essen und Spielzeug geteilt hat und auch sonst sehr lieb war, kann diese Situation zum Ausnahmezustand führen.

Den Vergleich verstehen wir am besten so: Du bist seit fünf Jahren glücklich liiert, und plötzlich kommt dein Partner mit einer neuen, jüngeren Frau nach Hause. Er erklärt dir, dass du immer noch das Wichtigste auf der Welt bist, aber seine neue Freundin ab jetzt bei euch wohnen wird, mit euch essen wird, nicht so viel im Haushalt helfen muss wie du und ihr euch sicher nach einer Weile super verstehen werdet.

Wie würde es uns da gehen? So ungefähr ist es mit einem neuen Geschwisterchen. Hier heißt es, besonders viel Verständnis zeigen, viiiiiiel Liebe geben und immer eigene Zeit für das große Kind einplanen. Auch sollte die Mama das Kleine öfters dem Papa geben und nicht über ihrem Baby glucken. So fühlt sich das erste Kind ernst genommen und weniger zurückgewiesen.  Immerhin muss es in bestimmten Situationen, wie beim Stillen, sowieso zurückstecken.


Die Wut kanalisieren.

Hilf deinem Kind, seine Wut, Energie oder Frustration auf harmlose Weise rauszulassen. Zum Beispiel, indem du einen Sitzsack oder den Fussball zum Treten anbietest, oder sagst „Los, kleiner Mann – brüll mal laut wie ein Löwe, anstatt mich anzuschreien!“

Gib dem Ganzen Zeit.

Dein Kind wird seine Umgebung nicht ewig tyrannisieren. Wenn es größer wird, kann es seinem Ärger mit Worten Luft machen, und es wird verstehen, dass es mit seinem aggressiven Verhalten andere Menschen verletzt.

Sei ein gutes Vorbild.

Neigst du selbst dazu, zu schimpfen und zu toben, wenn du dich ärgerst? Damit zeigst du deinem Junior leider nur, dass es okay ist, sich so aufzuregen. Kleinkinder machen Mama und Papa alles nach, also setze lieber auf Selbstkontrolle.


Fazit:

Es ist nicht immer leicht, die Nerven zu behalten, jedoch sollten wir uns immer wieder klar machen, das es nur Phasen sind in denen wir den Kindern helfen mit ihren Gefühlen umzugehen. 


Und noch eine Bitte an dich! Ich wäre dir sehr dankbar, wenn du diesen Beitrag teilen würdest.

Bis bald!

Uwe