Verhaltenstipps bei aggressiven Kindern

                                                                               Verfasst von: Uwe Trevisan



Das Kinder aggressive Züge zeigen ist im Prinzip nichts ungewöhnliches.

Schwierig wird es erst, wen eine erhöhte Aggressivität über einen längeren Zeitraum besteht. Wir sprechen dan von einer Verhaltensauffälligkeit.


Es zeigt sich, das  bei Kindern die  aggressive Verhaltensweisen immer mehr zunehmen. Das geht von Wutausbrüchen, Beschimpfungen bis hin zu körperlichen Angriffen.






Alls einer der wichtigsten Faktoren, wodurch das aggressive Verhalten von Kindern gefördert wird, gillt das soziale Umfeld


Wen in einer Familie, ein aggressiver Umgangston und  eine aggressive Stimmung herrsche, wachsen in der Regel auch aggressive Kinder heran.

Nicht nur ungünstige Umwelteinflüsse, auch genetische und psychische Faktoren können ein verstärktes Aggressionspotenzial zur Folge haben. Jedes Kind testet seine Grenzen aus und setzt dazu lautes Schreien und heftige Wutanfälle ein.

Während Babys mit Weinen auf ihre natürlichen Bedürfnisse und auf Schmerzen hinweisen, erkennt ein 2-jähriges Kind mit Beginn der Trotzphase seine eigenständige Person. Die ersten Schritte zur Unabhängigkeit werden gewagt. Das Kind möchte immer häufiger auf fremde Hilfe verzichten.

Der aufkeimende eigene Wille sollte weder zu ausufernden Machtkämpfen führen, noch darf der Trotz komplett ignoriert werden. In diesem Alter kann ein Kind seine Wut noch nicht kontrolliert steuern, deshalb reagiert es auf ein „Nein“ mit aggressivem Verhalten. Meist hilft es, das zornige Kind in den Arm zu nehmen und zu trösten. Das „Nein“ sollte aber trotzdem bestehen bleiben, weil Inkonsequenz die Aggressivität fördert.


Was Aggressivität bei Kindern bestärkt

Eltern von Kindern mit auffallendem Benehmen sind sich höchstwahrscheinlich gar nicht bewusst, dass sie selbst zum aggressiven Verhalten ihres Nachwuchses beitragen. Jeden Tag lernt ein Kind hinzu. Verhaltensmuster, die erfolgreich verlaufen, stellen einen Lerneffekt dar, der bei der nächsten ähnlichen Gelegenheit einfach übernommen wird.


Nachstehend drei Beispiele:

  1. Wer kennt nicht die Situation im Supermarkt, wenn der Sprössling gerne Kaugummis oder einen Schokoriegel hätte? Auf das „Nein“ kontert das Kind in der Regel zunächst mit Weinen oder Geschrei. Wenn das nicht hilft, folgt das Hinwerfen auf den Boden. Um die peinliche Situation so rasch wie möglich zu beenden, landet schließlich doch das Gewünschte auf dem Förderband an der Kasse. Der Junior freut sich und benimmt sich sofort wieder normal. Hat doch prima geklappt, weshalb also beim nächsten Einkauf auf die erfolgreiche Durchsetzung des Wunsches verzichten?
  2. Die Mutter nimmt einen Anruf entgegen. Lara möchte aber nicht, dass Mama telefoniert. Ihr wäre es viel lieber, wenn sie von Mama die volle Aufmerksamkeit bekommt. Lisa fängt deshalb an zu schreien. Das Gespräch wird zunächst nur kurz unterbrochen, um das Kind zurechtzuweisen. Lisa gibt sich damit aber nicht zufrieden und wirft nun Spielsachen im Wohnzimmer umher, um den Effekt zu verstärken. Weil etwas zu Bruch gehen könnte, beendet die Mutter rasch das Telefonat und widmet sich ihrer Tochter. Lisa hat ihren Willen erreicht und wird sich während eines erneuten Telefongesprächs ihrer Mutter in ähnlicher Weise verhalten.
  3. Aggressives Verhalten kann auch vor lästigen Pflichten bewahren. Lässt sich mit einem Tobsuchtsanfall das von Mutter angeordnete Aufräumen umgehen? Es funktioniert, wenn Mama nachgibt und wie gewünscht reagiert: Sie stapelt alle Spielsachen ins Regal während sich Tim erfolgreich drückt. Einmal ausprobiert und für gut empfunden, weshalb sollte Tim beim nächsten Mal selbst aufräumen?

Im Grunde geht es um ein Benehmen, das der Durchsetzung, der Beachtung oder des Begehrens dient. Bereits ausgetestetes aggressives Verhalten, das zum gewünschten Ziel geführt hat, wird garantiert wiederholt.

Die Abwärtsspirale unkontrollierter Aggression

Durch ständiges aggressives Verhalten stoßen betroffene Kinder immer öfter auf Ablehnung und Ausgrenzung. Die Außenseiterrolle vollzieht sich im Kindergarten, in der Schule, bei Freunden, schlimmstenfalls auch in der eigenen Familie. Natürlich spüren die Kinder die Isolation, die Frust hervorruft, was das Aggressionspotenzial noch weiter erhöht.

Der Kreis schließt sich, ein Ausstieg rückt in weite Ferne. Aggression entwickelt nicht selten eine Eigendynamik, indem die negativen Emotionen immer mehr den Alltag bestimmen. Ohnmacht und Hilflosigkeit sind letztendlich die hauptsächlichen Motive für aggressive Handlungen bei Kindern.

Mit dem Kind über seine Aggressionen sprechen

Experten raten nach aggressivem Verhalten von Kindern und insbesondere von Jugendlichen zu einer vernünftigen Aussprache. Sobald sich das Kind beruhigt hat, sollte es gefragt werden, was der Auslöser für den Ausraster war.

Konnte es den Grund für seine Aggression in Worte fassen, besteht eine günstige Gelegenheit für die Erklärung, dass Wut zu den menschlichen Gefühlen zählt und jeder zwischendurch einmal zornig wird, aber niemals eine Rechtfertigung für Schläge, Tritte, Bisse, Schubse oder eine andere Angriffslust besteht.

Wird trotz allem in gewisser Weise auch Verständnis für das unangebrachte Verhalten gezeigt, fühlt sich das Kind nicht total überrumpelt und herabgewürdigt.


Die Aussprache nach aggressivem Verhalten von Kindern ist eine wichtige Maßnahme, um Einsicht und Verständnis anzukurbeln.

Jeder kann nur das ernten, was er sät

Kinder sollten lernen, dass sie für ihr Tun selbst verantwortlich sind, denn auch für Erwachsene existiert für jede Handlung eine logische Konsequenz.

In der modernen Verhaltenstherapie ist manchmal vom Resonanzgesetz die Rede. Das Sprichwort: „Wie es in den Wald hineinruft, schallt es zurück.“, bringt die Sache exakt auf den Punkt. Auf aggressives Verhalten bei Kindern bezogen, empfiehlt es sich, nicht mit Strafe zu drohen, sondern eher von der Auswirkung zu sprechen, die eine bestimmte Handlungsweise auslöst.

Wer lügt, muss sich nicht wundern, wenn ihm zukünftig Misstrauen entgegengebracht wird, und wer sich gegenüber seinen Mitmenschen aggressiv verhält, stößt zukünftig höchstwahrscheinlich auf Zurückweisung.

Strafen haben den Nachteil, dass sie in den meisten Fällen nicht zu einer Veränderung des Verhaltens beitragen. Unter Umständen entwickeln sich sogar Vergeltungsfantasien, indem das Kind darüber nachdenkt, wie es sich rächen kann.

Hier ein paar Beispiele, wie dem Kind logische Konsequenzen nähergebracht werden können:

  • Trödelt das Kind beim Aufräumen, ist die Lieblingssendung im TV nach vollzogener Ordnung schon vorbei.
  • Wer eine dünne Jacke anzieht, friert bei winterlicher Kälte.
  • Wird die Puppe absichtlich beschädigt, steht sie zukünftig nicht mehr zum Spielen zur Verfügung.
  • Gibt es unter Freunden einen Streit, der sich nicht schlichten lässt, hilft nur die räumliche Trennung. Der Spielgefährte wird diesmal früher nach Hause geschickt und darf natürlich beim nächsten Besuch wieder länger bleiben, vorausgesetzt, es wird nicht gestritten.
  • Tritt aggressives Verhalten bei Kindern in einem Geschäft auf, findet der darauffolgende Einkauf ohne den Nachwuchs statt.
  • Wird am Tisch statt gegessen nur über das Essen genörgelt, muss das Kind mal hungrig bleiben.

Familienregeln werden idealerweise in ruhigen Worten besprochen. Verstößt das Kind gegen ein getroffenes Abkommen, tritt automatisch die Folge in Kraft. Demnach kann das Kind selbst entscheiden, ob es sich an eine Abmachung hält oder lieber die Konsequenz in Kauf nimmt.

Sätze wie „Selbst dran schuld“ oder „Das hast du nun davon“ verfügen über ironische Züge und nagen am Selbstwertgefühl des Kindes. Besser darauf verzichten und nur das Nötigste ohne vorwurfsvollem Unterton sagen.

Die Konsequenz aushalten

Werden Strafen in Aussicht gestellt, sollten sie eingehalten werden. Das Gleiche gilt für Folgen, die als logische Konsequenzen durchgesprochen wurden. Bleiben unangenehme Nachwirkungen aufgrund von Fehlverhalten aus, machen sich Eltern unglaubwürdig.

Meist sind es die Tränen des Kindes, die Mutter oder Vater weich werden lassen. Andererseits besteht eventuell die unterschwellige Angst vor Liebesverlust in der Art von: „Wenn ich mein Kind bestrafe, wird es mich hassen.“ Dieser Gedanke kann vor allem für Mütter unerträglich sein.

Lieber wird die Ausführung der Strafe oder der offenkundigen Folgeerscheinung ausgesetzt. In der Erziehung wirkt sich Inkonsequenz als überaus kontraproduktiv aus. Statt Strafandrohung sollte die logische Konsequenz zur Sprache kommen. Bei aggressivem Verhalten von Kindern hat sich ohnehin gezeigt, dass Lob für angemessenes Benehmen mehr nützt als Strafe.

Das Selbstwertgefühl des Kindes stärken

Aggressives Benehmen deutet, anders als vielleicht angenommen, auf ein geringes Selbstwertgefühl hin. Weil es an Selbstsicherheit mangelt, wird auf aggressive Muster zurückgegriffen. Unter Umständen geht es um das Auffallen um jeden Preis. Lieber negativ in Erscheinung treten als gar nicht.

Selbstvertrauen bildet die Basis für ein zufriedenes Leben. Bei Kindern hängt das Selbstbewusstsein noch größtenteils von der Meinung anderer ab. Fehlverhalten muss erklärt werden, sollte aber niemals über längere Zeit im Mittelpunkt stehen. Ein Gefühl der an die Person gebundenen Ablehnung darf nicht entstehen.

Dieses Emotionschaos führt in der Regel zu weiterem aggressiven Verhalten bei manchen Kindern. Jedes Lob stärkt das Selbstvertrauen. Eltern nehmen eine Schlüsselrolle ein, deshalb können sie, indem sie ihrem Kind Anerkennung und Zuspruch schenken, ganz entscheidend zu einer gesunden Entwicklung des Selbstwertgefühls ihres Kindes beitragen.