Gewaltfreie Kommunikation im pädagogischen Alltag

Bedürfnisorientierung und Grenzen: Was ist mit den Bedürfnissen der anderen Kinder?

Bedürfnisorientierung bedeutet nicht, dass sich immer das Bedürfnis eines einzelnen Kindes durchsetzen muss.

In einer Kita, Schule oder OGS treffen viele Menschen mit unterschiedlichen Bedürfnissen aufeinander.

Deeskalation Deutschland GfK-Training

von Uwe Trevisan

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Bedürfnisorientierung bedeutet nicht, dass sich immer das Bedürfnis eines einzelnen Kindes durchsetzen muss. In einer Kita, Schule oder OGS treffen viele Menschen mit unterschiedlichen Bedürfnissen aufeinander. Pädagogische Fachkräfte müssen deshalb nicht nur verstehen, was einem Kind gerade wichtig ist. Sie tragen gleichzeitig Verantwortung für andere Kinder, für sich selbst und für einen sicheren, verlässlichen Rahmen.

Ein Bedürfnis ernst zu nehmen heißt deshalb nicht automatisch, jede gewünschte Handlung zu ermöglichen.

Das Wichtigste in Kürze

Bedürfnisse sind etwas anderes als die konkrete Strategie, mit der ein Mensch versucht, ein Bedürfnis zu erfüllen.

Ein Kind kann zum Beispiel ein Bedürfnis nach Selbstbestimmung, Spiel, Zugehörigkeit oder Ruhe haben. Daraus folgt aber nicht automatisch, dass jede gewünschte Handlung möglich sein muss.

Pädagogische Fachkräfte dürfen Grenzen setzen.

Dabei geht es nicht darum, das Bedürfnis eines Kindes abzuwerten. Es geht darum, auch die Bedürfnisse und Rechte anderer Kinder, die eigenen Grenzen der Fachkraft und die Anforderungen der jeweiligen Situation einzubeziehen.

Bedürfnisorientierung bedeutet deshalb nicht:

„Das Kind entscheidet.“

Sondern eher:

„Ich versuche zu verstehen, was dir wichtig ist – und übernehme gleichzeitig Verantwortung für den gesamten Rahmen.“

Gerade im Gruppenalltag ist diese Unterscheidung entscheidend.

Aber was ist mit den Bedürfnissen der anderen Kinder?

Eine Frage, die mir in Fortbildungen sinngemäß immer wieder begegnet, lautet:

„Wenn ich auf die Bedürfnisse eines Kindes eingehe – was ist dann eigentlich mit den Bedürfnissen der anderen Kinder?“

Diese Frage berührt einen Punkt, an dem bedürfnisorientiertes Arbeiten häufig missverstanden wird.

Nehmen wir ein einfaches Beispiel.

Ein Kind hat lange an einem Bauwerk gearbeitet. Es möchte weiterspielen und auf keinen Fall abbauen.

Das können wir gut nachvollziehen.

Vielleicht ist ihm wichtig, etwas zu gestalten.

Vielleicht erlebt es gerade Freude, Konzentration oder Stolz.

Vielleicht möchte es selbst bestimmen, wann es mit seinem Spiel aufhört.

Gleichzeitig wartet die Gruppe.

Der Raum wird für etwas anderes gebraucht.

Andere Kinder möchten ebenfalls bauen.

Oder alle müssen jetzt zum Mittagessen.

Dann stehen nicht „ein gutes Bedürfnis“ und „eine böse Regel“ gegeneinander.

Es treffen mehrere berechtigte Anliegen aufeinander.

Genau hier beginnt pädagogische Verantwortung.

beduerfnisse und strategien unterscheiden

Bedürfnis und Strategie sind nicht dasselbe

Eine der hilfreichsten Unterscheidungen in der Gewaltfreien Kommunikation ist für mich die zwischen Bedürfnis und Strategie.

Das Bedürfnis beschreibt, was einem Menschen grundsätzlich wichtig ist.

Die Strategie beschreibt, wie dieser Mensch versucht, dieses Bedürfnis zu erfüllen.

Ein Kind möchte beispielsweise weiterbauen.

Das Weiterbauen ist die Strategie.

Dahinter können unterschiedliche Bedürfnisse stehen:

  1. Selbstbestimmung
  2. Kreativität
  3. Spiel
  4. Wirksamkeit
  5. Ruhe
  6. Kontinuität
  7. gesehen werden

Wenn ich nur auf die Strategie schaue, entstehen schnell zwei Möglichkeiten:

Das Kind darf weiterbauen.

Oder das Kind darf nicht weiterbauen.

Wenn ich zusätzlich nach dem Bedürfnis schaue, entstehen häufig mehr Handlungsmöglichkeiten.

Vielleicht kann das Bauwerk fotografiert werden.

Vielleicht bekommt es einen sicheren Platz, an dem später weitergebaut werden kann.

Vielleicht darf das Kind noch zwei Minuten etwas fertigstellen.

Vielleicht ist das alles organisatorisch nicht möglich und das Bauwerk muss trotzdem abgebaut werden.

Auch dann kann das Bedürfnis gesehen werden.

Ein Satz könnte lauten:

„Du möchtest wirklich noch weitermachen. Du hast da lange dran gebaut. Und jetzt brauchen wir den Raum für die nächste Gruppe.“

Verstehen und zustimmen sind zwei verschiedene Dinge.

Bedürfnisorientierung heißt nicht Bedürfnisbefriedigung um jeden Preis

Manchmal entsteht in pädagogischen Teams ein erheblicher Druck:

Wenn wir bedürfnisorientiert arbeiten, dürfen wir einem Kind dann überhaupt noch etwas verweigern?

Ja.

Natürlich dürfen und müssen Erwachsene Entscheidungen treffen.

Kinder leben nicht allein.

Sie leben in Beziehungen und Gruppen.

Dort treffen Bedürfnisse ständig aufeinander.

Ein Kind möchte laut spielen.

Ein anderes braucht gerade Ruhe.

Ein Kind möchte das Spielzeug behalten.

Ein anderes möchte ebenfalls damit spielen.

Ein Kind möchte nicht am Übergang teilnehmen.

Die Fachkraft muss gleichzeitig die gesamte Gruppe begleiten.

Ein Kind möchte einen anderen Gegenstand nehmen.

Ein anderes Kind sagt Nein.

Bedürfnisorientierung kann nicht bedeuten, dass immer dasjenige Bedürfnis zählt, das gerade am lautesten sichtbar wird.

Sonst geraten die stilleren Kinder leicht aus dem Blick.

Wenn viele Kinder gleichzeitig Aufmerksamkeit brauchen und für eine ausführliche Klärung wenig Zeit bleibt, hilft der Praxisartikel GFK unter Zeitdruck: Wie funktioniert Gewaltfreie Kommunikation mit vielen Kindern? bei der Frage, was sofort geschehen muss und was später besprochen werden kann.

Auch die anderen Kinder haben Bedürfnisse und Rechte

Das klingt selbstverständlich und geht im Alltag trotzdem schnell verloren.

Wenn ein Kind besonders herausfordernd reagiert, richtet sich verständlicherweise viel Aufmerksamkeit auf dieses Kind.

Warum macht es das?

Was braucht es?

Wie können wir es begleiten?

Diese Fragen sind wichtig.

Aber wir sollten zusätzlich fragen:

Was erleben die anderen Kinder gerade?

Ein Kind wirft regelmäßig Bauklötze.

Vielleicht steckt dahinter Überforderung, Frust oder der Wunsch nach Aufmerksamkeit.

Das können wir versuchen zu verstehen.

Gleichzeitig sitzen andere Kinder daneben.

Sie möchten vielleicht sicher spielen.

Sie möchten nicht getroffen werden.

Sie möchten ihr eigenes Bauwerk schützen.

Ihre Bedürfnisse verschwinden nicht dadurch, dass wir das Verhalten des anderen Kindes erklären können.

Verstehen darf deshalb nicht dazu führen, dass wir den Schutz anderer Kinder vernachlässigen.

grenzen wertschaetzend eindeutig setzen

Grenzen können wertschätzend und trotzdem eindeutig sein

Eine Grenze muss nicht unfreundlich sein.

Sie muss aber erkennbar sein.

Wenn ein Kind Bausteine nach anderen Kindern wirft, kann eine Fachkraft sagen:

„Stopp. Ich lasse nicht zu, dass du die Steine nach anderen wirfst.“

Das ist zunächst keine ausführliche Konfliktklärung.

Es ist eine Grenze.

Später kann gefragt werden:

Was ist passiert?

Was war dir wichtig?

Was hat dich so geärgert?

Was brauchst du?

Wie können wir es beim nächsten Mal anders machen?

Aber diese Fragen müssen nicht vor der Grenze beantwortet werden.

Manchmal muss eine Fachkraft zuerst handeln und danach verstehen.

Das ist besonders wichtig, wenn andere Menschen geschützt werden müssen.

Ein illustratives Beispiel: Das Bauwerk soll stehen bleiben

Stellen wir uns eine typische Situation vor.

Ein Kind hat über längere Zeit ein großes Bauwerk aufgebaut.

Jetzt soll die Gruppe den Raum verlassen.

Das Kind sagt:

„Nein. Ich räume das nicht weg.“

Eine mögliche Reaktion wäre:

„Doch. Alle räumen auf. Keine Diskussion.“

Die Regel ist damit vielleicht klar.

Das Kind erlebt aber möglicherweise wenig Verständnis für seine Situation.

Die andere Richtung wäre:

„Du möchtest nicht aufräumen? Gut, dann lassen wir alles stehen.“

Damit wäre zwar der Wunsch des Kindes berücksichtigt, aber vielleicht nicht der Gruppenrahmen.

Eine dritte Möglichkeit wäre:

„Du möchtest dein Bauwerk behalten. Ich sehe, dass dir das wichtig ist. Wir müssen den Raum jetzt verlassen. Lass uns schauen, ob wir es stehen lassen können oder ob wir vorher ein Foto machen.“

Und wenn das Bauwerk nicht stehen bleiben kann:

„Heute müssen wir es abbauen. Ich weiß, dass du das gerade richtig blöd findest.“

Auch das kann bedürfnisorientiert sein.

Denn Bedürfnisorientierung zeigt sich nicht nur darin, welche Entscheidung getroffen wird.

Sie zeigt sich auch darin, wie Menschen in einer notwendigen Entscheidung behandelt werden.

Nicht jede Grenze muss verhandelt werden

In der Praxis entsteht manchmal eine endlose Gesprächsschleife.

Eine Grenze wird ausgesprochen.

Das Kind protestiert.

Die Fachkraft erklärt.

Das Kind protestiert weiter.

Die Fachkraft erklärt noch ausführlicher.

Irgendwann sind zehn Minuten vergangen und niemand weiß mehr genau, ob die Entscheidung eigentlich noch gilt.

Nicht jede Grenze muss so lange erklärt werden, bis das Kind mit ihr einverstanden ist.

Ein Kind darf unzufrieden sein.

Es darf enttäuscht sein.

Es darf eine Entscheidung ungerecht finden.

Eine Fachkraft kann diese Reaktion begleiten, ohne die Entscheidung deshalb automatisch zurückzunehmen.

Zum Beispiel:

„Ich merke, du bist richtig sauer darüber. Die Entscheidung bleibt trotzdem.“

Das ist etwas anderes als:

„Jetzt stell dich nicht so an.“

Das Gefühl darf da sein.

Die Grenze darf ebenfalls da sein.

fachkraefte beduerfnisse grenzen jpg

Auch Fachkräfte haben Bedürfnisse und Grenzen

Bedürfnisorientierung wird manchmal fast ausschließlich auf Kinder bezogen.

Das greift zu kurz.

Auch Erwachsene haben Bedürfnisse.

Zum Beispiel:

  1. Sicherheit
  2. Respekt
  3. Orientierung
  4. Verlässlichkeit
  5. Ruhe
  6. Unterstützung
  7. Schutz
  8. Zusammenarbeit
  9. Handlungssicherheit

Das bedeutet nicht, dass Erwachsene jedes eigene Bedürfnis gegenüber Kindern durchsetzen dürfen.

Erwachsene tragen mehr Verantwortung für den Rahmen.

Aber die eigenen Grenzen vollständig zu ignorieren ist ebenfalls keine tragfähige Lösung.

Eine Fachkraft, die sich ständig selbst zurücknimmt, obwohl sie erschöpft, überfordert oder regelmäßig körperlichen Angriffen ausgesetzt ist, arbeitet nicht automatisch besonders bedürfnisorientiert.

Deshalb gehört für mich zu einer guten pädagogischen Haltung auch die Frage:

Was brauche ich, damit ich in dieser Situation klar und handlungsfähig bleiben kann?

Bedürfnisse erklären Verhalten – sie entschuldigen nicht jedes Verhalten

Dieser Unterschied ist wichtig.

Wenn wir verstehen, welches Bedürfnis hinter einem Verhalten liegen könnte, können wir oft sinnvoller reagieren.

Aber damit ist nicht automatisch jedes Verhalten akzeptabel.

Ein Kind kann wütend sein.

Es darf wütend sein.

Es darf trotzdem ein anderes Kind nicht schlagen.

Ein Kind kann Selbstbestimmung brauchen.

Es darf trotzdem nicht über die Grenzen anderer Kinder entscheiden.

Ein Kind kann Aufmerksamkeit suchen.

Es darf trotzdem nicht dauerhaft die gesamte Gruppe stören, ohne dass Erwachsene darauf reagieren.

Das Bedürfnis hilft uns, das Verhalten besser zu verstehen.

Die Grenze bezieht sich auf die Handlung.

Diese beiden Ebenen können gleichzeitig bestehen.

Wo wird bedürfnisorientiertes Arbeiten schwierig?

Besonders schwierig wird es, wenn aus einer guten Grundidee eine starre Regel wird.

Zum Beispiel:

„Ein Kind muss immer selbst entscheiden.“

„Ein Nein muss immer akzeptiert werden.“

„Wenn ein Kind etwas nicht möchte, darf man es nicht dazu auffordern.“

„Grenzen sind nicht bedürfnisorientiert.“

So einfach ist pädagogischer Alltag nicht.

Ob ein Kind eine Entscheidung selbst treffen kann, hängt unter anderem von Situation, Alter, Entwicklungsstand, Verantwortung und möglichen Folgen ab.

Eine Fachkraft muss beispielsweise anders handeln, wenn ein Kind keine Mütze tragen möchte, als wenn es auf eine stark befahrene Straße laufen möchte.

Nicht jede Situation ist eine Verhandlungssituation.

Und nicht jede Entscheidung ist Gewalt.

Die entscheidende Frage lautet deshalb nicht:

„Darf ich eine Grenze setzen?“

Sondern:

„Ist diese Grenze nachvollziehbar, notwendig und verantwortungsvoll – und wie vertrete ich sie?“

Wenn Schutz notwendig wird

Es gibt Situationen, in denen Bedürfnisse nicht mehr das erste Thema sein können.

Wenn ein Kind ein anderes schlägt, tritt, beißt oder gefährdet, muss möglicherweise zunächst geschützt und unterbrochen werden.

Dann kann eine Fachkraft nicht immer erst lange herausfinden, welche Bedürfnisse hinter dem Verhalten stehen.

Der Schutz kommt zuerst.

Danach kann die Situation fachlich aufgearbeitet werden.

Was ist passiert?

Was hat zur Eskalation beigetragen?

Was brauchen die beteiligten Kinder?

Was braucht die Gruppe?

Was müssen Erwachsene künftig früher erkennen?

Dieses Thema führt bereits über die reine Gewaltfreie Kommunikation hinaus.

Die Frage, wann Gespräch reicht und wann Erwachsene beschützend eingreifen müssen, behandeln wir deshalb in einem eigenen Praxisartikel.

team gemeinsame haltung grenzen klaeren

Was das Team gemeinsam klären sollte

Bedürfnisorientiertes Arbeiten wird schwierig, wenn jede Fachkraft darunter etwas anderes versteht.

Für die eine bedeutet es:

„Das Kind entscheidet.“

Für die andere:

„Wir hören das Kind an, aber Erwachsene entscheiden.“

Eine dritte Fachkraft greift sehr früh ein.

Eine vierte lässt lange laufen.

Dann erleben Kinder nicht nur unterschiedliche Persönlichkeiten, sondern möglicherweise widersprüchliche Grenzen.

Deshalb lohnt sich die gemeinsame Teamfrage:

Was bedeutet bedürfnisorientiertes Handeln bei uns konkret?

Ein Team kann beispielsweise besprechen:

Welche Entscheidungen können Kinder selbst treffen?

Wo gibt es einen gemeinsamen Rahmen?

Welche Grenzen gelten für alle?

Wo sind individuelle Lösungen möglich?

Wie gehen wir mit einem Nein um?

Wann schützen wir andere Kinder?

Wie reagieren wir, wenn Bedürfnisse miteinander kollidieren?

Welche Regeln sind wirklich notwendig?

Sind unsere Regeln für Kinder verständlich?

Und tragen wir Erwachsenen diese Regeln gemeinsam?

Solche Fragen schaffen mehr Orientierung als ein allgemeiner Satz wie:

„Wir arbeiten bedürfnisorientiert.“

Wie lässt sich die Situation praktisch prüfen?

Wenn Bedürfnisse miteinander kollidieren, kann eine einfache Orientierung helfen.

Fragen Sie sich:

Was beobachte ich konkret?

Noch ohne Bewertung oder Interpretation.

Was könnte dem Kind wichtig sein?

Nicht als Diagnose, sondern als mögliche Erklärung.

Welche anderen Menschen sind betroffen?

Andere Kinder, Fachkräfte oder die Gruppe.

Welche Bedürfnisse und Rechte spielen dort eine Rolle?

Gibt es eine akute Grenze oder ein Schutzthema?

Welche Handlungsmöglichkeiten gibt es?

Muss ich begleiten?

Kann ich verhandeln?

Braucht es eine klare Entscheidung?

Muss ich ein Verhalten stoppen?

Kann etwas später geklärt werden?

Diese Fragen verhindern nicht jeden Konflikt.

Sie können aber helfen, aus einem schnellen

„Das Kind darf das nicht“

oder

„Wir müssen doch auf sein Bedürfnis eingehen“

herauszukommen.

Dann entsteht ein differenzierterer Blick.

Bedürfnisorientierung braucht Erwachsene, die Verantwortung übernehmen

Kinder ernst zu nehmen bedeutet nicht, ihnen jede Verantwortung für Entscheidungen zu übertragen.

Manchmal brauchen Kinder Erwachsene, die sagen:

„Ich höre dich.“

„Ich verstehe, dass du das anders möchtest.“

Und gleichzeitig:

„Hier entscheide ich.“

Das muss nicht hart oder autoritär geschehen.

Es kann ruhig, freundlich und klar sein.

Vielleicht ist genau das eine der wichtigsten Aufgaben pädagogischer Fachkräfte:

nicht zwischen Verständnis und Grenze wählen zu müssen.

Sondern beides miteinander zu verbinden.

Gewaltfreie Kommunikation im Team praktisch vertiefen

Eine Inhouse-Fortbildung zur Gewaltfreien Kommunikation kann Teams dabei unterstützen, solche Alltagssituationen gemeinsam zu betrachten.

Dabei geht es nicht um perfekte Formulierungen.

Es geht darum, genauer unterscheiden zu lernen:

Was ist ein Bedürfnis?

Was ist eine Strategie?

Wann kann ich eine Alternative anbieten?

Wann braucht es eine klare Grenze?

Welche Bedürfnisse anderer Kinder müssen berücksichtigt werden?

Und wie schaffen wir im Team eine gemeinsame Haltung?

Gerade an konkreten Fällen aus dem eigenen Alltag wird häufig sichtbar, wo unterschiedliche Vorstellungen im Team bestehen.

Diese Unterschiede gemeinsam zu klären kann für Kinder und Fachkräfte deutlich mehr Orientierung schaffen.

Wie lässt sich die Situation praktisch prüfen?

Wenn Bedürfnisse miteinander kollidieren, kann eine einfache Orientierung helfen.

Fragen Sie sich:

Was beobachte ich konkret?

Noch ohne Bewertung oder Interpretation.

Was könnte dem Kind wichtig sein?

Nicht als Diagnose, sondern als mögliche Erklärung.

Welche anderen Menschen sind betroffen?

Andere Kinder, Fachkräfte oder die Gruppe.

Welche Bedürfnisse und Rechte spielen dort eine Rolle?

Gibt es eine akute Grenze oder ein Schutzthema?

Welche Handlungsmöglichkeiten gibt es?

Muss ich begleiten?

Kann ich verhandeln?

Braucht es eine klare Entscheidung?

Muss ich ein Verhalten stoppen?

Kann etwas später geklärt werden?

Diese Fragen verhindern nicht jeden Konflikt.

Sie können aber helfen, aus einem schnellen

„Das Kind darf das nicht“

oder

„Wir müssen doch auf sein Bedürfnis eingehen“

herauszukommen.

Dann entsteht ein differenzierterer Blick.

Häufige Fragen zu Bedürfnisorientierung und Grenzen

Bedürfnisse, Grenzen und Verantwortung im pädagogischen Alltag

Dann gibt es nicht automatisch ein Bedürfnis, das wichtiger ist als alle anderen. Die Fachkraft muss die Situation einordnen und unterschiedliche Bedürfnisse, Rechte, Sicherheit und den gemeinsamen Rahmen berücksichtigen.

Ja. Ein Nein oder eine Grenze widerspricht einer bedürfnisorientierten Haltung nicht automatisch. Entscheidend ist, warum die Grenze notwendig ist und wie sie vertreten wird.

Die Reaktion des Kindes kann begleitet werden, ohne die Grenze automatisch zurückzunehmen. Eine Fachkraft kann anerkennen, dass das Kind wütend oder enttäuscht ist und trotzdem bei einer notwendigen Entscheidung bleiben.

Dann steht zunächst der Schutz im Vordergrund. Ein Verhalten kann unmittelbar begrenzt oder unterbrochen werden. Die Gründe, Gefühle und Bedürfnisse hinter dem Verhalten können anschließend betrachtet werden, wenn die Situation wieder sicher ist.

Ein Kind sollte möglichst nachvollziehen können, warum es eine Regel oder Grenze gibt. Es muss aber nicht mit jeder Entscheidung einverstanden sein. Kinder dürfen enttäuscht, wütend oder anderer Meinung sein.

Nein. Gewaltfreie Kommunikation kann eine hilfreiche Grundlage für Wahrnehmung, Selbstklärung und Gesprächsführung sein. Bedürfnisorientierte Pädagogik ist ein breiterer pädagogischer Ansatz. Beide können sich überschneiden, sind aber nicht identisch.

Auch die Bedürfnisse und Grenzen pädagogischer Fachkräfte sind relevant. Sie dürfen allerdings nicht einfach gegen die Bedürfnisse von Kindern ausgespielt werden. Professionelles Handeln bedeutet, die eigene Verantwortung, die Bedürfnisse der Beteiligten und den pädagogischen Rahmen gemeinsam zu betrachten.

Nein. Ein Bedürfnis wahrzunehmen und ernst zu nehmen bedeutet nicht, jede gewünschte Handlung zu ermöglichen. Entscheidend ist die Unterscheidung zwischen einem Bedürfnis und der Strategie, mit der ein Kind versucht, dieses Bedürfnis zu erfüllen.